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Smart PSU auf der Crystal Cabin Award 2026 Shortlist

Die klassische Passagier-Serviceeinheit (PSU) bekommt ein digitales Upgrade: Mit Touch-Displays, intelligenter Steuerung und effizienter Vernetzung über 10BASE-T1S macht die Smart Connected PSU das Flugerlebnis für Passagiere komfortabler und erleichtert der Crew die Kabinenabläufe. Entwickelt im Rahmen der Bachelorarbeit von Eduard Lomtadze an der HAW Hamburg und am ZAL, steht sie nun auf der Shortlist des Crystal Cabin Award 2026.

Die Passagier-Serviceeinheit – im Flugzeug als Passenger Service Unit (PSU) bekannt – hat jeder schon einmal gesehen und benutzt. Sie bietet Funktionen wie Leselicht, Belüftung oder den Ruf der Kabinencrew. Wer schon vor zehn, zwanzig oder sogar dreißig Jahren geflogen ist, konnte eines feststellen: Die PSU ist erstaunlich unverändert geblieben. Seit den frühen Tagen der modernen Luftfahrt hat sich ihre Funktionalität kaum erweitert.

Gleichzeitig hat sich unser Alltag stark verändert: Touchscreens, digitale Services und personalisierte Inhalte sind inzwischen selbstverständlich – nur an Bord sieht die Realität oft noch anders aus.

Bald könnte sich das ändern, denn die Digitalisierung und Vernetzung finden, wenn auch etwas verspätet, ihren Weg in die Flugzeugkabine. Ein Baustein der Kabine der Zukunft ist eine modernisierte, intelligente PSU. Hier liegt großes Potenzial, um das Flugerlebnis für Passagiere zu verbessern und die Crew bei der Koordination der Kabinenabläufe zu unterstützen.

Im Rahmen des Forschungsverbundes DaKliF* (Datenplattform für klimaneutrales Fliegen) wurde am ZAL die Smart Connected PSU entwickelt. Sie ergänzt die klassische Flugzeugkomponente um zahlreiche neue Funktionen, die über Touch-Displays und eine interne Intelligenz bereitgestellt werden. Damit ermöglicht sie ein verbessertes Flugerlebnis für Passagiere, eine einfachere Kommunikation für die Crew und neue Einnahmepotenziale für Airlines – alles in einem einzigen, kompakten Gerät.

Was die neue PSU bietet

  • Touchscreens für jeden Passagier
    → Intuitive Bedienung von Licht, Crewruf und weiteren Funktionen

  • Neue Informations- und Serviceangebote
    → Verbleibende Flugzeit, Flughöhe, Informationen zum Anschlussflug, Wechselkurse, Wettervorhersagen u. v. m.

  • Direkte Verbindung zur Crew
    → Passagiere können einfacher Meldungen abgeben oder Bedürfnisse mitteilen

  • Verbesserte Sicherheit
    → Individuelle Hinweise wie „Bitte den Sicherheitsgurt schließen“
    → Unterstützung in Notfällen, z. B. durch Anzeige des nächstgelegenen Notausgangs

  • Maintenance
    → Passagiere können Defekte direkt aus dem Sitz heraus melden
    → Dank der internen Intelligenz kann die PSU Selbstdiagnosen durchführen und fehlerhafte Komponenten erkennen

Schlankes Netzwerk, geringer Energieverbrauch

Zusätzliche Geräte bedeuten mehr Datenverkehr im Kabinennetzwerk, mehr Kabel und höheren Stromverbrauch. Kabinennetzwerke sind heute bereits komplex: Sie bestehen aus vielen unterschiedlichen, oft proprietären Kommunikationsstandards. Jede Information – vom Film bis zum Temperatursensor – muss in unterschiedlichen „Netzwerksprachen“ übersetzt werden, was über sogenannte Protokollumsetzer erfolgt. An diesen Schnittstellen kann es zu Datenstaus kommen, das Netzwerk wird langsamer und die Einführung neuer Funktionen aufwendiger.

Im DaKliF-Projekt wird daher ein durchgängiges, einheitliches Ethernet-Kabinennetzwerk entwickelt. Die Smart Connected PSU nutzt hierfür 10BASE-T1S, eine Single-Pair-Ethernet-Technologie mit Multidrop-Topologie. Sie erlaubt es, mehrere Endgeräte über eine gemeinsame Leitung anzuschließen und reduziert so Verkabelungsaufwand und Systemkomplexität.

Vorteile von 10BASE-T1S im Überblick:

  • Multidrop-Topologie: Mehrere Endgeräte (z. B. Smart PSU) können wie bei einer Lichterkette an einen Leitungsstrang angeschlossen werden

  • Niedriger Energieverbrauch

  • Effiziente Bandbreitennutzung

  • Deterministische Kommunikation mit niedriger Latenz

  • Nahtlose Einbindung in ein durchgängiges Ethernet-Netzwerk

Bedeutung der Bezeichnung 10BASE-T1S:

  • 10 → Datenrate von 10 Mbit/s

  • BASE → Baseband-Übertragung (kein Frequenzmultiplex)

  • T → Twisted Pair, also verdrillte Kupferadern

  • 1 → Ein Adernpaar (Single Pair Ethernet)

  • S → Short Reach

Energieeffiziente Intelligenz

Die Steuerung der PSU erfolgt über den ZAL Endpoint ECO, einen energieeffizienten Mikrocontroller aus der ZAL Endpoint Familie. Er wurde speziell für den Einsatz in Ethernet-basierten Kabinennetzwerken entwickelt und ermöglicht einen stromsparenden Betrieb bei kompakter Bauform.

Die Smart Connected PSU zeigt, wie bestehende Kabinenkomponenten schrittweise digital erweitert und in zukünftige Netzwerkkonzepte integriert werden können: digital, vernetzt, modular und effizient.

*DaKlif wird unterstützt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.